BRASILIEN

Hannes 2006-2007

Hallo!
Hier ist Hannes und ich werde jetzt mal erste Eindrücke aus dem extrem-süden Brasiliens, ja fast schon Argentinien, schildern. Für all die neuen Hopees, unter denen sich übrigens auch meine Schwester Marie befindet, deren Auswahlwochenende vor kurzem stattfand, und die es wie ich sehr genossen hat, aber ganz speziell natürlich für grade diejenigen, die sich dafür entschieden haben, in den Süden Amerikas zu fliehen - damit ist gemeint weg von der Familie =).
Inzwischen bin ich 3 Monate hier und ich hätte mir meinen Austausch in meinen Träumen schwer besser vorstellen können... Ehrlich gesagt, war ich etwas enttäuscht, als ich die Notiz bekommen habe, dass ich in den Süden kommen werde und nicht die absolute Brasilien-Kultur kennen lerne, wie man sie erzählt bekommt, von wegen "Samba", Dunkelhäutige und Karneval". Und auch als ich hier ankam, war ich etwas geschockt, wie ähnlich dieser Teil des Landes doch meinem Heimatland sein kann, nicht zuletzt, weil ich in einer Stadt deutscher Kriegsflüchtlinge gelandet bin, wo jeder über 40 -Jährige deutsch spricht...
Doch es kann hier auch so anders sein und man wird doch, wenn man sich einfach darauf einlässt, es auszuprobieren, überrascht, wie anders die Kultur hier auch sein kann und ehrlich gesagt ist man auch ganz froh, wenn man hier mal deutsch sprechen kann und nicht immer von seinem portugiesisch abhängig ist, was teilweise sehr anstrengend sein kann. Und im Endeffekt gibt es hier doch viel mehr Unterschiede zu der deutschen Kultur zu entdecken, als es Gemeinsamkeiten gibt.
Meine Familie hier ist einfach das grossartigste, was man sich vorstellen kann und obwohl ich in einem kleinen Dorf lebe, was ich als Hamburger gar nicht gewohnt bin, denke ich, dass ich kein besseres Los hätte ziehen können! Meine Familie besteht aus Vater, Mutter und zwei Söhnen, von denen einer in der Hauptstadt meines Bundesstaats lebt und selbst auch schon einen Austausch in die Staaten mit AFS "wagte", und der andere exakt mein Alter hat. Sie haben auch schon eine Reise mit mir unternommen, die ich glaube ich in meinem Leben nicht vergessen werde, so schön war es. Wir sind 11 Stunden mit dem Auto Richtung Drei-Länder-Eck gefahren, also Brasilien, Argentinien, Paraguai und genau dort befinden sich die, wenn ich richtig informiert bin, zweit-grössten Wasserfälle der Welt, an einem Ort genannt "Foz do Iguaçu". Ich habe in meinem Leben, soweit ich weiss, noch nirgendwo einen schöneren Ort gesehen. Vielleicht sollte einer von den werdenden Brasilianern ja das Glück haben, sich dort hinzubegeben. Ich werde mal sehen, ob ich ein Foto mitschicken kann, das sagt mehr 1000 Worte.
Was ich hier so generell mache, ist eigentlich relativ leicht zu erklären: Ich spiele wahnsinnig viel Fussball, einfach weil ich daran spass habe und es sich wirklich IMMER eine möglichkeit findet, wenn man interessiert ist. Ansonsten gehe ich natürlich zur Schule, täglich von 7.30-12.00, was ich eindeutig nicht für zu viel halte =) und begebe mich ausserdem viel ins Fitnessstudio, will ja auch was vorzeigen können, wenn ich zurück komme. hehe
Mir fiel die Sprache ehrlich gesagt auch von anfang an ziemlich einfach, da ich, gerade in der Anfangszeit, sehr stark daran interessiert war, sie möglichst schnell zu lernen, meine Familie gar nicht erst damit angefangen hat, eine andere Sprache zu sprechen - abgesehen von meinem älteren Bruder, der mich in den ersten 2 tagen auf englisch ein bisschen eingewiesen hat, danach aber auch nur noch portugiesisch mit mir sprach. Wenn man also, wie ich, englisch beherrscht und am besten noch eine andere Sprache, Französisch hat mir wahnsinnig geholfen, sollte man niemals Probleme mit der Kommunikation haben, denn es versucht einem immer jeder zu helfen im Aufbau der Sprache und obwohl es natürlich ein komisches Gefühl ist, in ein Land zu gehen, dessen Sprache man nicht beherrscht, sollte man sich auf keinen Fall sorgen machen, denn wenn immer man Hilfe sucht, findet man sie, solange man freundlich ist und Interesse zeigt. Ich spreche inzwischen fliessend Portugiesisch und verstehe wirklich alles. Auch wenn es an Vokabeln verständlicherweise noch mangelt, gibt es immer die Möglichkeit, die Worte zu umschreiben. Und übrigens ist es nicht unbedingt schlecht, in einer deutschsprachigen Kleinstadt zu sein, ich sehe es eher als einen Segen an, hin und wieder mal meine Muttersprache benutzen zu können und auch ein bisschen von meiner Kultur hier zu haben.
Was mich zu einem anderen Thema bringt, dass ich aber nur ganz kurz anschneiden werde, denn mir mangelt es an Zeit, das nächste nächtliche Fussballspiel wartet. (achja übrigens, für die, die kein Fussball mögen, gibt es hier alle möglichen sportarten, die man praktizieren könnte, sowie Volleyball oder Capoeira oder was auch immer) Also Thema Kleinstadt: Ehrlich gesagt ist das eine der wenigen Sachen, die mich hier immer noch ein klein wenig stört manchmal, wenn ich zum beispiel auf eine Party in der nächst grossen stadt gehen will und einfach nicht die Möglichkeit habe, doch alles hat seine Kehrseite und inzwischen freue ich mich sogar teilweise über den Kleinstadtzustand, denn je kleiner die Stadt, desto weniger Leute und desto bessere Freundschaften bilden sich mit den Jugendlichen aus der Nachbarschaft. Ausserdem kann man sich auch schneller besuchen. Und es ist schon ein schönes gefühl, sich einfach nachts sicher fühlen zu können, da es hier wirklich keine Kriminalität gibt.
Ich formuliere es mal so: Obwohl ich am Anfang fast sogar ein bisschen enttäuscht war, inzwischen kann ich sagen, dass ich bisher einen besseren Austausch hatte, als ich ihn mir auch nur hätte vorstellen können und er fängt grade erst an, denn der Sommer kommt und die Strand-Zeit beginnt. Ich möchte hier erstmal mit den Worten schliessen, egal wo ihr hinkommt, seid nicht enttäuscht, denn IHR macht euren Austausch und ihr macht. was IHR wollt. Wenn ihr interessiert seid, bereit seid, Neues kennen zu lernen, dann ist es egal wo ihr seid, es wird auf jeden Fall ein geiles Jahr - wenn ihr es euch macht.
Viele Grüsse an das AFS-Komitee und speziell an die lieben Betreuer, die mich vor nicht mal einem halben Jahr so super vorbereitet haben und immer gut drauf waren.
Haninho* aus Brasilien-Rio Grande do Sul

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