Sie sind hier: AFS-Komitee Hamburg > Das Komitee > Erfahrungsberichte > Awayees > Costa Rica

COSTA RICA

Justus 06/07 (Freiwilligendienstler im AFS-Büro)

Hallo!

Wollt mich nur mal kurz aus Costa Rica melden und sagen wie gut es mir hier geht!

Bin ja jetzt schon knappe vier Monate hier und spreche die Sprache schon ziemlich flüssig. Hier und da fehlen dann natürlich mal die Vokabeln oder man versteht den Gastbruder nicht weil er wirres Zeug murmelt... =)
Aber das klappt schon alles.

Am Anfang war es garnicht so einfach sich hier einzuleben, da meine Gastfamilie nicht das Nonplusultra war, ich eigentlich überhaupt kein Spanisch sprechen konnte und man fast den ganzen Tag im Büro sitzt und daher nicht wie normalerweise Freunde in der Schule kennenlernt.

Das Büro hier in Costa Rica ist dafür aber das Beste was mir passieren konnte. Die Kollegen sind super nett und lustig, mein MitFSJler Franz ist ein super Typ und so lerne ich während ich Spanisch lerne auch noch ein wenig das Potsdam-Deutsch welches er spricht mit seinen total verschiedenen Ausdrücken. Er wird durch mich immer mehr zum Hanseaten... =)
Was kann ihm Besseres widerfahren??

Reisen tun wir auch öfters mal obwohl wir nun schon wieder etwas länger nicht unterwegs waren. Meistens sind es dann Franz und ich die zusammen irgendwo an den Strand oder ähnliches fahren!

Es gebe so viel über meine Erlebnisse zu erzählen, aber da ich grad im Büro sitze lass ich das endlos lange schreiben dann doch mal lieber sein.

Hab nur eben grad den HAMburger gelesen und darin einen unserer Austauschschüler gesehen und mich gefreut, da ich ihn auch schon persönlich hier einmal getroffen habe und weiss wie nett er doch ist.

Noch eine kleine Anmerkung: Lebe in meiner dritten Familie (was absolut nicht meine Schuld ist) und bin richtig glücklich hier zu sein. Die Familienmitglieder sind alle sehr individuell und unabhängig und trotzdem versucht die Familie abends immer gemeinsam zu essen, wodurch  das Essen jedoch normalerweise auf Zeiten verlegt wird in denen kein Deutscher mehr essen würde... =)

Schreib dann noch mal um Weihnachten herum eine weitere Email mit mehr Infos, falls ich es in dem ganzen Trubel hier nicht vergesse.

Mein Zeitgefühl hab ich auf Grund des fast immer gleich bleibenden Klima verloren. Es scheint jeden Tag die Sonne, morgens ist es so um die 15 Grad Mittags dann um die 25 Grad und nach dem Regen am Nachmittag dann wieder so um die 20 Grad... Und der Sommer beginnt grad erst... =)

Also viele liebe Grüsse an alle in Hamburg und in der ganzen Welt die dies hier lesen, falls es irgendwann mal in den Hamburger übernommen werden sollte... =)

Euer schwerarbeitender AFSjler Justus in Costa Rica

 

Annika 2005

Geschichten des Ankommens
Einmal Leben tauschen und zurück


Flugzeugmotoren brummen. Wolken aus fremd klingendem Stimmengewirr ziehen vorbei und man hört förmlich das Brutzeln blanker Touristenhaut unter der Sonne. Immer wieder durchdringen Freudenschreie einer Gruppe Austauschschüler die Luft. Fünfzehn an der Zahl, strecken wir unsere Nasen in den Wind und ziehen uns einen ersten Sonnenbrand zu. Es ist Januar und am Flughafen von Costa Rica herrschen 30 Grad im Schatten.


Costa Rica - Reiche Küste! 1522 tauchte der Name zum ersten Mal in einer Landkarte auf, nachdem Kapitän Gonzales Davila aufgebrochen war die Region zu besiedeln. Die spanischen Schiffsleute begegneten dort reich beschmückten indianischen Würdenträgern, wodurch der Name des Landes entstand: Costa Rica. Ein Wort, das voller Träume, Abenteuer und Hoffnung steckt, exotische Erlebnisse und Entdeckungen verspricht. Es klingt ebenso, wie sich die Namensgeber gefühlt haben müssen, als sie das Land erblickten.


Das erste Mal costaricanischen Grund und Boden betretend, stehen auch uns Austauschschülern jene Emotionen ins Gesicht geschrieben. Auch wir treten nun eine Reise ins Ungewisse an - unsere eigene Entdeckungsreise durch Costa Rica - fünf Jahrhunderte später.

Nun könnte das Austauschjahr ungehindert seinen Lauf nehmen. Es muss jedoch angemerkt werden, dass der ersehnten Ankunft im Gastland eine lange Wartezeit voraus geht.


Am Anfang steht immer das Fernweh. Etwas Neues ausprobieren, reisen, eine neue Sprache erlernen; Es gibt so viele Vorstellungen und Motivationen, wie es Austauschschüler gibt. Keiner weiß vorher, was ihn erwartet, doch alle teilen den Wunsch, es herauszufinden. Dies sind die optimalen Bedingungen, unter denen Austauschschüler und ?organisation letztendlich zusammen finden.
In den meisten Ländern gibt es mehrere dieser Pogramme, welche einen Auslandsaufenthalt ermöglichen. Sie kümmern sich um die Familiensuche, erledigen die Formalitäten und bereiten ihre Schützlinge auf Erfahrungen und Schwierigkeiten in der neuen Kultur vor. Besonders letzteres kann sehr hilfreich für das schnelle Einleben im Gastland sein, denn ein Jahr ist kürzer, als man denkt!


Die letzten Wochen vor der Abfahrt sind oft anstrengend. Hin- und hergerissen zwischen Trauer, Spannung, Freude und tausend Dingen, die vermeintlich noch erledigt werden müssen, endet man nicht nur in einem Chaos der Gefühle. Nein, auch organisatorisch läuft oft wenig nach Plan. Bis zur Abfahrt kommt es kaum zu einem  Durchatmen, und dann ist es plötzlich schon soweit. Der Abschied und damit das große Heulen sind so überraschend schnell da, dass dies manch einen überfordert. Fragen wie: ?Warum?? ?Wozu geh? ich  in die Ferne, wenn es mir hier so gut geht...?, kommen auf. Doch ein dramatischer Abschied ist auch etwas Schönes. Viele tröstet der Gedanke, dass von vielen vermisst auch von vielen geliebt zu werden bedeutet. Eine alte Austauschschülerweisheit besagt: ?Wird der Abschied im Ausland ebenso traurig wie in der Heimat, dann war das Jahr ein voller Erfolg!?

Die ersten Wochen im Gastland vergehen wie im Flug. Es ist die Zeit, welche Austauschschüler in dem leicht benebelt -begeisterten  Zustand der Anfangseuphorie verbringen. Alles ist neu, aufregend und toll aus dem einfachen Grund, dass es anders ist als zu hause. Erlebnisse werden aufgesaugt wie von ausgetrockneten Schwämmen und jeder genießt das Entdecken der kleinen großen Besonderheiten des costaricanischen Alltags.
Dies ist - wie bereits erwähnt- lediglich eine Phase, also vorübergehend.

Es kommt der Zeitpunkt des Gewöhnens an die Umgebung und die Gastfamilie. Man ist nicht mehr die große Attraktion in der Schule, und freut sich auch nicht  jeden Tag wieder über den immer währenden Sommer oder ?Gallo Pinto? zum Frühstück. Jeden Morgen Reis und Bohnen ist nicht so spannend wie zuerst angenommen, genauso wenig wie der nette Nachbarsjunge, der einem immer hinterher pfeift. Die lateinamerikanische Machomentalität fängt bald an zu nerven und Kommentare zu den tollen blauen Augen verlieren nach dem tausendsten Mal auch an Originalität. Dies ist der Zeitpunkt, an dem das eigentliche Ankommen beginnt. Ein Ankommen in Kultur und Sprache; Ein Ankommen im costaricanischen Alltag für uns 15 Austauschschüler.


Es ist ein langer Weg dorthin, auf dem nicht nur einmal der Wunsch aufkommt einfach alles hinzuschmeißen. Manchmal wäre es leichter mit dem blöden Gallo Pinto um sich zu werfen, anstatt wie jeden Tag brav den Teller aufzuessen. Schönes Wetter ist ja sowieso immer- wozu das Ganze also?! Auch im Spanischwortschatz wäre ein wenig mehr Abwechslung wünschenswert. Ohne das wichtigste Kommunikationsmittel Sprache ist eine Integration im neuen Umfeld schwierig und gerade diese ist für das Wohlergehen wichtig.


?Das Erlernen einer Sprache lässt sich mit dem Ablaufen einer Sanduhr vergleichen,? so ein japanischer Austauschfreund, ?Es ist ein schleichender Prozess. Sandkorn für Sandkorn. Man bemerkt ihn kaum, bis die Sanduhr plötzlich durchgelaufen ist und die Sprache fließt.? Er bewahrt mich vor sämtlichen rebellischen Gallo Pinto- Gedanken und behält Recht. Nach zwei bis drei Monaten beherrschen nahezu alle Austauschschüler Spanisch und können endlich mitreden! Endlich verstehen! - Im literarischen wie im kulturellen Sinne. So stelle ich beispielsweise fest, dass ich meinen Spitznamen ?annikita? dem chronischen Verniedlichungszwang der Costaricaner zu verdanken habe. An fast alles hängen sie ein ?ito oder ?ita dran, weswegen das Volk sich auch selbst gern als die ?Ticos? bezeichnet.


Das Verstehen ist ein entscheidender Wendepunkt im Austauschjahr. Es hilft, sich an Eigenheiten des Gastlandes zu gewöhnen und sie schließlich lieben zu lernen. Ebenso werden Gastfamilie und Geschwister, Schulfreunde, Nachbarn und Sportskameraden zu einem geschätzten Bestandteil des neuen Lebens. Endlich nicht mehr ?der Austauschschüler? zu sein, sondern Geschwisterkind, Klassenkamerad und Teamkollege fühlt sich gut an! An diesem Punkt angekommen, sind sich die Austauschticos einig: ?Am liebsten wollen wir gar nicht mehr weg!?


Doch die Zeit rast.

Unbemerkt sind die Monate so schnell vergangen, dass kurz vor der Abfahrt kaum noch Zeit zum Kofferpacken bleibt. Mit vielen Kilos Übergewicht im Gepäck, finden wir uns schließlich am Flughafen ein. Die meisten haben Freunde und Familie mitgebracht. Viele Küsse, Umarmungen und Abschiedsgeschenke werden ausgetauscht. Unter anderem so nützliche, aber unverstauliche Dinge wie eine Kaffeemaschine... Dann ist es soweit, der Flug wird ausgerufen und es bleibt kein Auge trocken. Diesmal heißt es ?Adios? und nicht ?auf Wiedersehen?. Die Realisten unter uns wissen: Ein Zurückkehren liegt in ferner Zukunft.


15 Austauschschüler treten nun den Flug ins neue Alte an. 24 Stunden Zeit uns hierauf vorzubereiten verbleiben, dann werden Eltern und Freunde am deutschen Flughafen auf uns warten. Es gibt viele Arten einen Tag im Flugzeug zu verbringen, eine ist sich die ?10 Wiederkehrer Herausforderungen? durchzulesen. Hierbei handelt es sich um eine Informationsbroschüre mit so aufmunternden Überschriften wie ?LANGWEILE? ? ?NIEMAND WILL ES HÖREN? und ?DU KANNST ES NICHT ERKLÄREN?. Ein weiterer Zeitvertreib ist das wiederholte Lesen von Abschiedsbriefen und Karten, wobei wieder einige Tränen fließen. Manche starren auch nur gedankenverloren aus dem Fenster und nehmen still und leise Abschied von ihrem costaricanischen Leben.
Bis zur Ankunft in Deutschland dauert es eine halbe Ewigkeit, die viel zu schnell vorübergeht. Obwohl Spannung und Wiedersehensfreude steigen, sind nur wenige bereit zur Landung. Diese letzte und für die meisten schwierigste Ankunft bedeutet auch das entgültige Abschließen eines unvergesslichen aber vergänglichen Lebensabschnitts.

Schließlich ist der Moment da, und zum ersten Mal nach einem Jahr spüren wir wieder festen deutschen Boden unter den Füßen. Wie Fremdköper, die fälschlich am Frankfurter Flughafen ausgesetzt wurden, wandeln wir einen Koffer voller Erinnerungen hinter uns herziehend dem Ausgang entgegen. Beim Verlassen des deutschesten aller deutschen Flughäfen durchdringen Begrüßungsrufe ein fremd klingendes Stimmengewirr. Flugzeugmotoren brummen und es herrscht klirrende Kälte. Die Nasen in den Wind streckend, ziehen wir uns eine erste Erkältung zu.

Selten ist die Ankunft am Flughafen auch die Ankunft in der Kultur des Herkunftslandes. Viele Austauschschüler finden zunächst weder trautes Heim noch Glück allein in ihrer alten Umgebung vor. Vieles hat sich verändert, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Die Infobroschüre mit den netten Überschriften sollte recht behalten: Das Wiederkommen bietet gleich mehrere Herausforderungen, die der deutsche Alltag früher nicht bereit hielt und die für Außenstehende unsichtbar bleiben.

Freunde und Familie nehmen nicht wahr, wie aufgeräumt deutsche Strassen sind, wie merkwürdig abgehackt ihre Sprache klingt und dass eigentlich kein Mensch Busfahrpläne braucht. Der Wiederkehrer sieht die Welt mit anderen Augen. Für ihn ist es schwierig, sich wieder in das frühere Leben einzufügen, als wäre er nie weg gewesen. Wo für alte Bekannte ein Jahr mehr oder weniger alltägliches Leben stattfand, ist für den Wiederkehrer eine völlig neue Welt entstanden. Dies zu erklären ist schwierig bis unmöglich. ?Hier müssen die im Austausch erlernten Anpassungsfähigkeiten angewandt werden,? rät die Infobroschüre.

Für Viele muss jedoch eine sichtbare Veränderung her - denn schließlich ist das alte Leben nun Geschichte: Neue Frisuren, Haarfarben oder Zimmergestaltungen sind die Folge. Ob das den entscheidenden Fortschritt im Einlebungsprozess mit sich bringt sei dahin gestellt. Vielleicht heißt das Zauberwörtchen auch schlicht und einfach Zeit, oder Geduld.

Mein Zimmer ist jetzt jedenfalls knallgelb.

Nadja (Freiwilligendienst CSP) 2005

La Cruz, Guenacste, Costa Rica und es regnet in Stroemen...


La Cruz. Das ist 20 Minuten von der Grenze Nicaraguas und 5 Kilometer Luftlinie vom pazifischen Ozean entfernt. La Cruz, das ist ein Dorf in dem  jeder jeden kennt. Das sind spanische Rockmelodien auf Julios Gitarre beim  Sonnenuntergang. Das ist ein Schweißausbruch nach dem anderen schon morgens  um acht, wenn die Temperaturen in die Hoehe klettern. Das sind unerwartete  Regenausbrüche, die einen innerhalb von zwei Sekunden bis auf die Knochen  durchnaessen.

La Cruz, das ist ein Dorf mit Türen die immer einladend offen  stehen. Offene Türen durch welche der Klatsch von Haus zu Haus getragen  wird. Offene Türen, die es moeglich machen hier ganz ohne Telefon immer auf  dem neusten Stand zu sein und alles zu wissen. Wenn die Nachrichten über die holprigen Straßen von Tür zu Tür stolpern, geht hin und wieder mal ein Teil verloren... und manchmal da wird beim  Versuch das verlorene Stückchen Geschichte wiederzufinden ganz aus Versehen  ein vom Hühnerdreck verschmutztes Steinchen von der verstaubten Straße gehoben und fast unbemerkt in die lückenhaften Erzaehlungen eingefügt. Da  haelt auch die über der Tür haengende Plakette mit dem Schriftzug  "Bienvenidos pero sin chismes" die Informationslawine nicht auf, die sich  über die rot bemalten Lippen der Hausfrauen in einer Geschwindigkeit  ausbreitet bei der jederman schon alles weiß was passieren wird, bevor  überhaupt der Gedanke daran geboren wurde. 

La Cruz, das ist auch der Ort an dem neben hijo de (la) puta, tranquila das  meist benutzte Wort ist um einem die Unwissenheit über das was in den  naechsten Minuten, Stunden oder Tagen passieren wird zu erleichtern.  Tranquila, das wird schon, einfach abwarten, zurücklehnen. Das ist hora  tico. Das bedeutet nicht nur, dass man sich hier auf nichts und niemanden  außer die pünktlichkeit des Sonnenauf und -untergangs um 6 verlassen kann,  sondern auch, dass man das was und wie und ob überhaupt einfach so auf sich  zukommen laesst. Da wird die Frage wann denn was losgeht mit "Ahora mas  tarde oder ahorita" (Jetzt spaeter oder bald) beantwortet. Offensichtlich  sind diese Worte auch in der deutschen Sprache mehr oder weniger praezise.  Auf Tico kann ahorita von vorhin, gleich, nacher, morgen bis in ein paar  wochen alles bedeuten. Aber man kann sich wenigstens darauf verlassen das nichts so laeuft wie man  es plant und man deswegen eigentlich gar nicht erst plant. Das ist hier aber auch nicht so wichtig. Schließlich hat man viel Zeit. Und  ob man nun zwei Stunden spaeter oder früher. unwichtig! Tranquila, no  importa, vamos a ver! 

Darüber hinaus ist es wahrhaftig erstaunlich wie vielseitig der intensiv genutzte Schimpfwoerterschatz hier ist. Waehrend neben hijo de (la) puta  auch viele andere Woerte vielmehr als freudige Begrüßung benutzt werden,  kann ein Tico der sauer ist und sich echt über etwas aufregt nach jedem  Wort ein Schimpfwort einschieben. Das ist dann ungefaehr so wie wenn die  Amis nach jedm Wort fuck oder fucking sagen. Nur das das fuck hier durch  ganz viele verschiedene Woerter ersetzt wird. Da ist es dann schon nicht so  einfach einen Lachanfall zurückzuhalten und die Person ernst zu nehmen.

Der Humor hier in Costa Rica ist dann noch so eine andere Sache. Statt  Ironie wird hier, wenn scherzend, eine Erzaehlweise genutzt die hammerhart  und mit toternsten Gesicht rübergebracht wird. Jene die mich gut kennen und  ich glaub auch alle andern, wissen, dass ich sowieso alles glaube was man  mir erzaehlt. Da laufe ich hier im verarschtwerden natürlich zu  hoechstformen auf. Nach und nach kann ich jedoch statt sprachbarriere immer  mehr einschaetzen, dass man grundsaetzlich gar nichts glauben kann, außer  man führt ein wirklich ernstes Gespraech. Auch wenn mich alle im Dorf kennen und ich mittlerweile auch eine Großzahl  der dunklen Gesichter einordnen kann, entfallen mir jedoch die meisten Namen  innerhalb weniger Sekunden wieder. Wenigstens hat man noch eine kleine  Chance wenn man die Maenner einfach José oder Luis und zu den Frauen Maria  sagt. Zwar werden die meisten Josés, Luise und Marias anders gerufen aber in  fast jedem Namen der Leute hier kommt mindestens einmal einer der drei vor.

Mittlerweile hat es aufgehoert zu regnen. Es ist Anfang Oktober und hier in  Guenacaste faengt die kühlere Zeit des Jahres an. Das bedeutet das die  jetzt noch leichte Sommerbrise, die die heiße Luft abkühlt und  ertraeglicher macht sich gegen November in einen andauernden Sturm  verwandeln wird. Der einstündige Fußmarsch zu unserem riesigen, menschenleeren Strand, auf  dessen Wasser nur einige wenige Fischerboote schaukeln, wird mit gegenwind  wohl wesentlich schwerer zu bewaeltigen sein. Langsam finde ich mir hier trotz der vielen wahrhaftig tiefgehenden  Unterschiede ein und immer mehr Wege der Langeweile die mit den Windboehen  durch alle Ritzen der Holzhaeuser dringt entgegenzuwirken ohne, wie es viele  der frustrierten Hausfrauen und Toechter tun sich den Novelas im Fernsehen  oder dem Klatsch hinzugeben. Mir fehlt das pulsierende Hamburg, aber es ist wahrhaftig eine Erfahrung  eine in einem solchen Kontrast zu unserer stehende Lebens kennenzulernen. Es ist seltsam mitzubekommen wie rasend schnell sich die Dinge gerade in  Harburg veraendern.

Ich vermisse euch!
Eure Nadja