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Eine Awayee-Mutter berichtet

Die ersten drei Wochen...
Von Hamburg nach North Clarendon, VT 


1. September 2006 12.00 Uhr:
Heute vor drei Wochen saß ich um diese Zeit auf dem Sofa und heulte die ganze Anspannung der letzten Monate aus mir heraus. Unser Sohn Janko war am um sechs Uhr morgens von Hamburg aus in sein Abenteuer "Austauschjahr mit afs" gestartet.
Wir waren um drei Uhr morgens aufgestanden, um vier Uhr mit der Familie am Flughafen ... alle hatten leicht angespannte Gesichter: Jetzt geht es wirklich los ... Die große Reise in ein fernes Land ... Zu einer anderen Familie, vielen Erfahrungen, Fettnäpfchen und einem weiteren Schritt  zum wachsen und sich etwas zutrauen.

Auf diesen Tag hatten wir alle lange hingearbeitet: Anträge ausgefüllt, Arzttermine, Impftermine, Bescheinigungen, Visa-Späßchen, Kostenplanungen, Beurteilungen ...
Wir hatten ab Februar ein Flip-Chart im Flur hängen wo die "To do's" mit Datum und Zuständigkeiten aufgeschrieben waren ... und das abhaken war immer ein sehr gutes Gefühl!

Beim afs-Elternabend waren wir die einzigen Eltern dessen Kind kein Festplatz hatte ... das Losverfahren: Pech gehabt! Trotzdem: Visa beantragen in Berlin, Impfungen anfangen. Und das Warten ... auf einen Festplatz, auf die Gastfamilie und überhaupt: wohin geht die Reise? Die Wunschländer hatten nicht geklappt; die Entscheidung war dann auf die USA gefallen. Aber wird es da mit einem Festplatz klappen?
Für Janko waren die afs-Wochenenden eine hilfreiche Vorbereitung. Jedes Mal kam er sehr beschwingt und mit neuen, guten Erlebnissen wieder. Der Rest der Familie wurde immer ungeduldiger ... bis die Nachricht kam: ja "WIR" haben einen Festplatz irgendwo in den USA !!! Wir feierten mit Hamburger, Coke und baked Potatos ...

Jetzt kam die nächste Runde nach dem Ländervorbereitungstreffen: Kreditkarte besorgen, warten auf die Gastfamilie, Abschiedsfest vorbereiten, "Habt Ihr schon die Gastfamilie?", "Hoffentlich nicht nach Texas ... ach Hauptsache die family ist nett ..." Gastgeschenke kaufen, warten auf die Gastfamilie ...

Und dann kam die Nachricht: Eine Gastfamilie in Vermont ... !
Der erste Kontakt am Telefon war klasse ... der Gastvater und Janko hatten gleich einen guten Draht, es kam die erste E-Mail mit Fotos von den Eltern, Geschwistern und Hunden ... eine große Erleichterung!

Und auf einmal nur noch drei Wochen bis zum Abflug, zwei Wochen bis zum Abschiedsfest ... ein flaues Gefühl bei uns allen. Langsames Abschiednehmen. Koffer Probepacken.

Sein Zimmer hatte Janko schon vorher entrümpelt und viele Dinge auf dem Flohmarkt verkauft: "Wenn ich wiederkomme brauche ich das nicht mehr ..."
Mit allen zusammen das Abschiedsfest feiern. Tief durchatmen: noch eine Woche ... übermorgen ... wer kommt alles Morgens um vier mit zum Flughafen? In die Arme nehmen ... und los geht?s ...

Die ersten Tage waren schon eigenartig ... es war so ruhig auf einmal.

Am Sonntagmorgen um sechs der Anruf von Janko: "Hi,  wollt? nur sagen ich bin gut angekommen alles ist prima, mir geht es gut...!"
"Wie schön! Janko, wo bist Du denn grade??"
"Na, zu Hause natürlich...!!"
Was für eine tolle Aussage ... jetzt konnten wir uns alle entspannt lächelnd zurücklehnen.