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THAILAND

Mirco 06/07

Meine Familie und ich vor einer Buddha-Statue

Hallo Hamburg!

Ich bin jetzt seit knapp 3 Monaten in Khonburi / Thailand und will jetzt mal einen kleinen Zwischenbericht in meine eigentliche Heimatstadt  Hamburg schicken.

Die Ankunft

Am  6.07.06 habe ich mich mit den  29 anderen deutschen Thailand-Hopees auf den Weg nach Bangkok gemacht. Am Flughafen gab es dann erstmal einige Pass-Probleme, die aber relativ schnell geloest werden konnten. Am Flughafen trafen wir dann auch die Austauschschueler aus anderen Laendern und vollzogen dann alle zusammen ein AFS-Ritual ? Ein Energizer, mitten in der Eingangshalle des Flughafens. Wir wurden zwar von allen Seiten angestarrt und belaechelt, aber das war uns nach vielen Stunden Flug egal.

Mit 2 Bussen machten wir uns dann auf den Weg in ein extrem luxorioeses Hotel, unser Arrival-Camp stand an. Wir wurden auf das wichtigste vorbereitet, doch das meiste wussten wir deutschen AFSer schon von der SuedOstAsien-VB in Deutschland. Wir mussten also lernen, dass das Vorbereitungssystem von AFS Deutschland denen anderer Laender weit ueberlegen ist. In den meisten Laendern gibt es nur eine allgemeine Vorbereitung.

Das Arrival Camp dauerte 3 Tage und endete mit einer grossen Uebergabefeier, bei der die Austauschschueler ihren Familien oder Advisorn uebergeben wurden. In meinem Fall war "nur" meine Advisorin anwesend, was mich aber keineswegs stoerte, weil meine Familie 300 km nordoestlich von Bangkok lebt.

Die Familie

Meine Advisorin fuhr  mich also am naechsten Tag mit dem Auto in meine neue Heimat, das relativ kleine Dorf Khonburi im Nordosten des Landes. Von meiner Familie wurde ich sehr herzlich empfangen, was  mich sehr ueberraschte, da uns vorher auf der Vorbereitung noch mitgeteilt wurde, dass Thais ihre Gefuehle anderen Menschen gegenueber eher selten zur Schau stellen. So wurde ich von meinem "neuen Vater" sogar umarmt.

Meine Familie ist wirklich nett, mein Vater ist Direktor einer Grundschule und meine Mutter Sub-Direktorin an einer anderen. Deshalb sind sie beide sehr beschaeftigt und es kommt leider ab und an vor, dass ich nach der Schule allein zu Hause sitze und  mich langweile.

Ausserdem leben bei uns noch eine Schwester des Vaters, meine Gastbrueder Dodo (9) und  Pei (24) und dessen Freundin, die ich jedoch ebenfalls "Grosse Schwester" Son (Pi Son) nenne.

Meine Familie ist fuer Thai-Verhaeltnisse sehr reich und wir leben in einem sehr grossen Haus, das auch fuer deutsche Verhaeltnisse noch ueberdurchschnittlich gross ist. Fuer  mich eine grosse Umstellung, da ich in Deutschland in einer kleinen Wohnung mit meiner Mutter und meiner Schwester lebe.

Das Dorf

Nunja, Khonburi kann man schon wirklich als Dorf bezeichnen. Auf der SuedOstAsien-VB wurde uns gesagt, dass man die Groesse einer Stadt gut an der Anzahl der  7/11s (Supermaerkte, die  24  Stunden am Tag geoeffnet sind) messen kann. Wir haben keins, dafuer aber sehr viele kleine Essensmaerkte, einen Wochenmarkt, einen grossen Monatsmarkt und ueberall Staende an denen man sich extrem guenstig Nahrung beschaffen kann, was mir auch extrem gut gefaellt.

Das ganze Dorf ist umgeben von Reisfeldern, ca.  80 % der Dorfbevoelkerung sind Farmer. Ich fuehle  mich hier in Khonburi aber trotzdem sehr wohl, auch wenn ich meine Grossstadt Hamburg schon manchmal vermisse.

Die naechstgroessere Stadt ist  60 km entfernt, aber mit dem Bus sehr gut und guenstig (unter einem Euro, fuer Schueler sogar weniger als  50 Cent) zu erreichen.

Meine Schule

Meine Schule ist ein kleiner Sonderfall. Schon als ich ankam, wurde mir berichtet, dass dies eine Schule fuer (wortwoertlich) "not that smart students" sei. Das merkt man leider auch oftmals an dem Verhalten der Schueler. Trotzdem habe ich nach einigen Wochen Eingewoehnungsphase hier Freunde gefunden, mit denen ich jeden Tag in der Schule verbringe. Ein Problem dabei ist, dass mein Freundeskreis nur aus Maedchen besteht, da Jungen hier sehr unreif sind. Und in Thailand ist es ja so eine Sache, man kann hier als Junge ein Maedchen nicht so einfach fragen, ob sie denn am Nachmittag etwas mit einem unternehmen wolle. So habe ich z.B. vor ein paar Tagen erfahren, dass die gesamte Schule denkt, ich sei mit einem Maedchen aus eben dieser Gruppe zusammen, da ich mit ihr ab und an auch mal allein rede. Nunja, so sind Thais eben.

Zum Unterricht gibt es nicht viel zu sagen, da die Schueler hier nicht viel Wert auf Unterricht und Bildung legen, weil sie wissen, dass ihre Zukunft auf der Farm ihrer Eltern liegt. Da ist es keine Seltenheit, dass mehr als die Haelfte der Klasse mit dem Moped (hier hat jeder eins, auch ohne Fuehrerschein) auf den Markt fahren anstatt am Unterricht teilzunehmen.

Kann aber in dem Fall nicht allgemein von Thailand reden, da die Schulen der anderen Austauschschueler hier in Thailand doch sehr anders sind und viel Wert auf Disziplin gelegt wird.

Farang, Farang!

Als Nicht-Asiate (Farang) hat man hier in Thailand wirklich einen Sonderstatus. Man wird ueberall angestarrt, angesprochen und teils sogar verfolgt, was mir jetzt schon 2 mal in der Mall in Korat passiert ist. Egal wo man ist, man hoert staendig das Wort "Farang". Wenn ich meine Schuluniform trage, verrenken alle ihren Hals, weil sie versuchen, meinen Namen oder den meiner Schule zu lesen.

Ich werde hier staendig eingeladen, alle wollen sich mit mir zeigen. Teils kommt es aber auch vor, dass jemand mit mir sprechen will, dann aber doch nicht weiss, was er sagen soll und lieber wegrennt.

Als Farang muss man hier aber auch an sehr vielen Stellen mehr bezahlen als Thais. In der alten Hauptstadt Thailands, Ayutthaya, wurde von mir zum Beispiel der doppelte Preis verlangt. Das Leben als Farang in Thailand hat also nicht nur Vorteile, ich geniesse es trotzdem.

Thai-Essen

Oh ja, mit dem einheimischen  Essen habe ich schon so meine Erfahrungen gemacht. Teils ist es so scharf, dass ich, obwohl ich fuer einen Farang wirklich scharf  essen kann, ins Schwitzen gerate.

Thais sind unheimlich stolz auf ihre Kueche und das koennen sie, wenn man Gerichte wie Pud Thai oder Khao Pud kostet, wirklich sein, aber bei einigen Gerichten frage ich mich wirklich, wie sie daran Gefallen finden. Meine Familie isst z.B. sehr viele Sachen kalt, was mir bei Suppe z.B. absolut nicht passt.

Auch Kaefer gibt es hier natuerlich. Habe gebratene Grashuepfer und gebratene Maden probiert. Die Grashuepfer waren an sich ganz lecker, waehrend die Maden einen sehr unangenehmen Nachgeschmack hatten.

Die Sprache

Mit der Sprache laeuft es wirklich gut. Nach jetzt 3 Monaten kann ich so ziemlich alles sagen, kann die Schrift lesen und auch vieles aus dem Gespraech heraus verstehen. Mit meinen Freunden in der Schule rede ich z.B. nur Thai, was auch prima funktioniert.

Probleme habe ich nur mit der Aussprache einiger Woerter, da man hier in 5 verschiedene Tonhoehen unterscheidet. Da kann ein Wort nur etwas anders ausgesprochen eine voellig andere Bedeutung haben. Wenn man bspw. eine grosse Milch bestellt, kann man auch versehentlich nach einer grossen Brust fragen.

Ich glaube aber, dass ich die Sprache spaetestens am Ende des Jahres beherrsche, schliesslich war dies ja auch eins meiner Ziele, bevor ich hergekommen bin.

Die Religion

Hier in meiner Region sind ausnahmslos alle Buddhisten, auch wenn es in  Thailand auch Muslime (vor allem im Sueden nahe der Grenze zu  Malaysia) und Christen gibt. Ich interessiere  mich wirklich stark fuer den Buddhismus und will auch noch viel lernen. Ich habe mir vorgenommen, in der naechsten Zeit einen Tempel zu besuchen um dort mit einem Moench zu reden und evtl. sogar Buddhismus-Unterricht zu bekommen.

Ich war bisher erst 1x in einem Tempel und das war gleich in der ersten Woche, da konnte ich noch fast gar kein  Thai. Uebrigens wird hier vor der Schule gebetet, manchmal auch nach der Schule.

Sonstiges

Was gibt es sonst zu berichten? Ich fuehle mich  hier superwohl und freue  mich auf die 7 Monate, die noch anstehen. Ich werde  mich sicher in den naechsten Monaten wieder melden, dann gibt es sicher wieder etwas zu berichten.

 

Sawatdee Khrap

Mirco :)

 

 

 

 

Moritz 2002-2003